Dorothee Jacobs

Kreativität und Pädagogik

 

knoten

Kreativität wird im Volksmund tatsächlich gerne für alles Bunte, Unvorgegebene und Unkonventionelle benutzt. Ihr wird ein gewisser Optimismus, andererseits ein Hang zu Chaos und Schabernack und tendenziell so etwas wie gute Laune unterstellt.

Kreativität ist jedoch zum einen etwas mehr und zum anderen etwas anderes . Wer sich mit den Biografien von Künstler_innen, Schriftsteller_innen und anderen kreativen Köpfen auseinandersetzt, weiß, wie viele Gesichter kreatives Schaffen hat. Das heißt, wie ernst, wie geordnet, wie mühsam und schmerzhaft, oder auch wie lustvoll und befreiend sich das Schöpferische in einem Menschen seinen Weg bahnen kann.

Kreativität entsteht, wenn wir Gewohnheiten verlassen und uns unserer vielfältigen Handlungsmöglichkeiten bewusst werden. Das kann Spaß machen - kann aber auch weh tun. Zum Beispiel, wenn etwas nicht in Fluss kommt oder nicht gelingt. 

Kreativ nenne ich deshalb Prozesse und Ergebnisse, die

  • sich durch Wahrnehmung und Beweglichkeit auszeichnen
  • die Überraschungen enthalten
  • die neue Erkenntnisse zum Ausdruck bringen
  • die weniger mit Begabungen, als mit Neugier zu tun haben
  • die weniger schön sind, als irgendwie mutig und experimentell

Eigentlich müsste ich mich hier ja noch an eine Definition des Begriffs Ästhetik heranwagen. Das Wort Ästhetik macht immerhin eine Annäherung leicht: Es stammt von dem griechischen Wort aistanesthai ~ empfinden ab. Daraus lässt sich die Entwicklung von Empfindsamkeit als eine der Grundlagen ästhetischer Bildung ableiten. Der Sinn für Ästhetik entstünde demnach aus einem feinen, allseitig verknüpften Empfinden für Farben, Formen, Klänge, Strukturen, Gedanken, Worten, Werten, Gesten und dergleichen mehr.